Nach einem Gespräch mit einem Mit Teilnehmer der Maßnahme über Baudenkmäler in Höxter, wurde ich etwas neugieriger auf ein paar der Gebäude und hatte mich letztendlich entschieden, etwas über die St.-Kiliani-Kirche nachzuforschen.
Zu Beginn eine Kurzfassung von der Geschichte des Namensvetters, St. Killian. Zwischen ca. 640-689 war St. Kilian ein iro-schottischer Missionsmönch. Zusammen mit seinen Wegbegleitern Kolonat und Totnan wird er als Frankenapostel verehrt. Laut der Passio Kiliani kam St. Kilian 686 nach Christus mit seinen Begleitern nach Würzburg, wo er gepredigt und missioniert haben sollte, und später gemeinsam mit seinen Begleitern ermordet worden sein. Der Geschichte zufolge lag die Schuld der Tat bei der Frau des fränkischen Herzogs. Sie war die Witwe von dessen Bruder und ihre Heirat mit Gosbert war daher laut christlichem Kirchenrecht verboten und ungültig. Gilliana nutzte die Abwesenheit ihres Mannes, um den Bischof und seine beiden Gefährten ermorden zu lassen, und hat dessen Körper im Pferdestall verscharren lassen. Dieses Lokal ist im heutigen Zeitalter die Neumünsterkirche. Im Jahre 751 hat der Papst Zacharias die Genehmigung zur Verehrung der Märtyrer erteilt.
Nun, da wir wissen, wer Kiliani ist, können wir mehr über die Geschichte erfahren, wie die Höxteraner Kirche geworden ist, was sie heute ist!
Bei Umbauarbeiten im Jahr 1961 wurden Fundamente eines älteren, wesentlich kleineren Vorgängerbaus gefunden. Dieser Saalbau hatte eine Unterteilung zwischen Westen und einem Chorraum. Durch Scherbenfunde und zahlreiche Bestattungen innerhalb dieses Saalbaues konnte man das Jahr des Erbauens dieses Saalbaues auf ca. 780 und 800 datieren. Was bedeutet, dass dieses Gebäude noch vor der Gründung des Bistums Paderborn errichtet wurde.
Im 11. Jahrhundert wurde eine Basilika erbaut aus Wesersandstein, welche am 8. Juli 1075 geweiht wurde. Original war es eine Pfeilerbasilika, eine flach gedeckte Hallenkirche mit zwei Seitenschiffen, und mit einem geraden Chorabschluss im Osten und Westen. Ganze 100 Jahre später wurde der Bau an der Kirche weitergeführt, was das Bild des Bauwerks komplett veränderte. Ein Gewölbe wurde angebaut, dazu unter dem Gewölbeansatz Pfeilervorlagen, welche an den Seitenschiffen mit Halbsäulen und reich verzierten Kapitellen dekoriert sind.
Interessanterweise wissen wir nicht genau, wann die Turmhelme errichtet worden sind. Was wir allerdings wissen, ist Folgendes: Die Türme der Kirche sind unterschiedlich in der Höhe. Der Nordturm, auch „Gemeindeturm“ genannt, ist 48 m hoch und hat als Wetterfahne einen Hahn, welcher die Macht Gottes darstellen soll. Der Südturm, auch „Stadtturm“ genannt, ist im Gegensatz dazu nur 45,65 m hoch. Der Reichsadler ist das Symbol für die niedriger eingestufte weltliche Macht. In der früheren Neuzeit wurde dieser Turm auch Hausmannsturm genannt, der von einem angestellten Türmer besetzt wurde. Im Untergeschoß dessen war das Ratsarchiv.
In den Jahren 1391–1412 wurde das südliche Seitenschiff abgebrochen. Zwei der drei südlichen Arkadenpfeiler wurden herausgenommen, woraufhin zwischen den verbleibenden Pfeilern neue, höhere Arkadenbögen mit doppeltem Radius gespannt wurden. Die in der heutigen Zeit angebrachten Kapitelle entstanden von dem alten südlichen Seitenschiff. Der Chorraum erhielt – vermutlich zur gleichen Zeit – ein gotisches Kreuzrippengewölbe, welches höher saß als das vorherige romanische Design.
In den folgenden Jahren, ca. zwischen 1500 – 1515, wurde an der Nordseite der Kirche die Annenkapelle angebaut, welche ein länglicher Raum mit einem Kreuzrippengewölbe ist. Dies ersetzte den damaligen Giebel. In den folgenden ca. 50 Jahren wurde ein zweites Südportal im südlichen Querhaus ausgebrochen. Die Steinmetzarbeiten werden als eine der besten Werksteinarbeiten in dieser Kirche. Und als wir zu der Zeit der Renaissance kamen, wurde um ca. 1600 due Sakristei im Winkel zwischen nördlicher Chorwand und Querhaus gebaut. Aus der Vorzeit wurden jedoch das alte Kreuzgewölbe und ein Fenster erhalten.
Fast 300 Jahre später, in den Jahren 1881/1882, gab es eine zweijährige Restaurierungsphase. Während dieser Zeit galt die zweckentfremdete Marienkirche als behelfsmäßige Ausweichkirche. Im Laufe dieser Restaurierung, wurde der steinerne Letner, der bis dahin die Barockorgel samt barocker Balustrade getragen hatte, durch eine große hölzerne Empore ersetzt. Im Zusatz wurde die Kirche mit neogotischen Bänken ausgestattet, von welchen selbst heute noch ein beträchtlicher Teil erhalten ist. Es gab andere Vorschläge zu Maßnahmen im Raume der Restaurierung, welche jedoch abgelehnt wurden. Wie z. B. die Entfernung der in schlechter Renaissance ausgeführten Bekleidung der Empore, der Kanzel, des sehr dürftigen Altars und des Orgelprospektes und Neubeschaffung in romanischer Bauweise oder die Entfernung des Taufsteines.
Ein paar Jahre später, zu 1901 brannte der Nordturm wegen eines Blitzeinschlags nieder. Der Turmhelm wurde dabei völlig zerstört. Restaurierung und Reparatur konnten erst nach einem Jahr beginnen. Genaue Gründe dazu sind leider nicht bekannt.
Circa 36 Jahre später, zum Jahr 1937, wurde das Westportal aus der Mauer gebrochen. Zur gleichen Zeit wurde die Orgelempore tiefer gelegt. Im Chorraum wurde das Ostfenster zugemauert und erst wieder bei der letzten Kirchensanierung geöffnet.
Die Gemeinde hatte sich zum Jahr 1810/11 zum ersten Mal von dem kirchlichen Glockenwerk verabschieden müssen, bei der Übernahme des Geläuts aus der ehemaligen Petrikirche und während der beiden Weltkriege zur Einschmelzung für Rüstungszwecke. Das Glockengeläut der Kilianikirche befindet sich im Südturm.
Aus dieser Zeit, die älteste erhaltene Glocke aus dem Jahr 1921, deren Inschrift lautet: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Diese Glocke wiegt wieder 350 kg, mit einem Durchmesser von 920 mm. Die Gedächtnisglocke aus dem Jahr 1949 trägt eine Inschrift, welche lautet: „Daran haben wir erkannt die Liebe, daß Er sein Leben für die Brüder lasse.“ Diese Glocke ist aus Gussstahl vom Bochumer Verein und hat ein Gewicht von 1.300 kg mit einem Durchmesser von 1.430 mm. Die dritte Glocke, die so genannte Betglocke, entstand zusammen mit der Gedächtnisglocke im Jahr 1949. Jene trägt die Inschrift; „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort.“ Das Gewicht der Betglocke liegt bei 1.800 kg mit einem Durchmesser von 1.605 mm. Eine vierte Glocke ist außen am Turmhelm unter einem kleinen Dachvorbau sichtbar. Diese ist wesentlich kleiner und schlägt viertelstündlich.
Letztendlich kommen wir zu den neuzeitigen Sanierungen, welche in den Jahren 1961/62, 1966/67, 1984/85 und 2005-2007 stattfanden. In einer umfangreichen Bemühung ging es vor allem darum, die statische Sicherheit des Gebäudes zu sichern, da es original nie für die Belastung der neuen Gewölbe ausgelegt war. Die letzte Sanierung wurde notwendig im Jahr 2005 wegen einer Explosion eines Wohnhauses in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kirche im September desselben Jahres, welche auch bei der Kirche große Schäden anrichtete.














