Extremer sozialer Rückzug oder Hikikomori

Die eine oder andere Person kennt wahrscheinlich einen Menschen, der sich sehr gerne zurückzieht, in der Wohnung oder wenn sie mit anderen zusammenleben, in ihrem Zimmer. Viele sagen, dass solch eine Person einfach etwas antisozial ist oder einfach faul ist.

Aber wie es so oft im Leben ist, es ist in den meisten Fällen doch komplizierter, als es erst aussieht.

Das Leben ist voll mit Komplikationen und Herausforderungen, die manche Menschen sehr einfach durch Kämpfen meistern, und andere haben mehrere Schwierigkeiten. Und dann sind da noch Menschen, die diesen Kampf aus dem einen oder anderen Grund verlieren oder oft genug verloren haben, um diesen gar nicht mehr versuchen zu können. Solche Menschen sehen oft eine Art sozialen Rückzug als die einzige Möglichkeit, irgendeine Art von Sicherheit im Leben zu finden.

Extremer sozialer Rückzug oder Hikikomori, wie es mehr und mehr genannt wird, ist eine psychologische soziale Störung, die aus vielen Problemen entstehen kann. In den 1980er Jahren wandte der japanische Psychiater Tamaki Saito den Begriff Hikikomori (japanisch für „sich einschließen/zurückziehen“) auf diese Situation an. Der Begriff bezieht sich sowohl auf den Zustand selbst als auch auf die betroffene Person. 
 
 Aber, was genau IST Hikikomori?
 
 Menschen, die an Hikikomori leiden, sind oft vom Leben überfordert und die beste oder einzige Methode, sich von diesem Druck zu verteidigen, ist es, sich zu verstecken. Besonders bei jungen Menschen ist es oft der Fall, dass dieses entweder mit Faulheit beschrieben wird, was natürlich diesen Menschen nicht hilft, sich wieder aufzubauen. Der Grund für dieses Phänomen ist immer noch etwas umstritten, ist aber oft auf Schwierigkeiten im sozialen Umfeld zurückzuführen. Dinge wie Mobbing in der Schule, Schwierigkeiten bei der Arbeit oder Ärger in Beziehungen sind nur ein paar Beispiele, die zu solch einem Verhalten führen.

Menschen, die an Hikikomori leiden, sind oft so auf dem Rückzug, dass sie lieber Hunger leiden, als sich anderen Menschen in sozialen Situationen zuzustellen. In Fällen von jüngeren Menschen verlassen sie sich oft auf ihre Eltern, um ihnen Essen vor die Tür zu stellen, oder in Erwachsenen-Fällen verlassen sie das Haus nur, wenn es schon sehr spät ist, um 24/7-Läden zu besuchen. Selbst dann ist es oft eine Situation, in der sie bis zum äußersten Notfall warten, bis so ein Termin gemacht oder wahrgenommen wird. Depressionen, soziale Phobie und Essstörungen sind alles Symptome, die dabei eine große Rolle spielen.

In Japan allein sind beinahe 500.000 bis zu 2 Millionen Menschen davon betroffen in der Altersspanne von 14–39. Und dieses Phänomen ist global immer mehr aufzutreffen. Laut mehreren Studien treten ähnliche Phänomene inzwischen weltweit auf – unabhängig von Kultur und Wohlstand des Landes. Spezialisten vermuten einen Zusammenhang zwischen Hikikomori und modernen, zunehmend individualistischen Gesellschaften. Leider gibt es zu deutschen Fällen keine genauen Nummern, da Hikikomori noch etwas neu ist in dessen Anerkennung. Jedoch haben Spezialisten erwähnt, dass 1,9 % der globalen Fälle in Europa sitzen. 

Aber was kann man tun, wenn man von Hikikomori betroffen ist?

Der erste, beste, aber auch schwerste Schritt ist, Hilfe zu suchen. Es gibt viele Online-Hilfegruppen von Betroffenen oder Leidenden. Natürlich ist es am besten, sich professionelle Hilfe zu sichern.

Hilfe-Ressourcen:

  • Telefonseelsorge

Rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

  • Beratungsstellen

z. B. lokale Krisendienste, sozialpsychiatrische Dienste der Kommunen sowie
Beratungsangebote von Caritas oder Diakonie bieten Unterstützung.

  • Jugendamt, für Jugendliche und junge Erwachsene
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Bei akuten psychischen Krisen, wenn Praxen geschlossen sind: 116 117.

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