Das 17. Jahrhundert spielte in der Geschichte der Stadt Höxter eine tragische Rolle mit vielen negativen Ereignissen, besonders der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Dieses historische Ereignis, der sogenannte „Blutbad von Höxter“ am 20. April 1634, kostete mehr als 1500 Höxteranern das Leben. Die weitere Entwicklung der ostwestfälischen Stadt wurde auf mehrere Jahrzehnte drastisch gestoppt. Nach diesem religiösen Krieg blieb Höxter im tragischen Zustand stehen. Fast alle wichtigsten Gebäude der Altstadt wurden durch die feindlichen Truppen zerstört und geplündert. Die Stadt Höxter wurde gewaltsam der Herrschaft des Corveyer Fürstabtes wieder unterworfen. Der Landesherr hatte nach und nach fast alle Freiheiten und Rechte der Höxter beschränkt oder abgeschafft. Seit 1622 wurde Höxter mehrmals von verschiedenen feindlichen Truppen erobert und geplündert. Zum Beispiel: von den kaiserlichen Feldmarschall Tilly, dänischen Truppen, Schweden, Hessen, Braunschweig, dann wieder die kaiserliche Armee und dann wieder die schwedischen Truppen eroberten und zerstörten teilweise schwer die Stadt Höxter, Kloster Corvey und die Umgebung schwer. Im Jahre 1622 wurde Höxter von der braunschweigischen Armee des Herzogs Christian besetzt. In der Zeit von 1623 bis 1631 befanden sich in Höxter und in der Stadtnähe die kaiserlichen Truppen, die den katholischen Glauben wieder einführten. Im August 1632 verlief in der Nähe der Stadt ein schwerer und blutiger Kampf zwischen den schwedischen Truppen unter dem Kommando des Feldherren Baudissin und der kaiserlichen Armee mit dem Feldherren Pappenheim an der Spitzer. Im Laufe der Schlacht wurde erstmals das Kloster Corvey gewaltsam erobert und teilweise zerstört.
Vor dem 30-jährigen Krieg war Höxter evangelisch geworden, aber im Jahre 1628 wurden die meisten Bürger von dem Corveyer Fürstabt gewaltsam wieder zum katholischen Glauben zurückgeholt. Die katholische Religion wurde in Höxter ,,mit schweren Exekutionsmitteln wieder eingeführt. Am 14. Juni 1629 wurde die erste Prozession in Höxter gehalten. /Detlef Albrecht ,,Das Blutbad von Höxter. „Historische Kurzgeschichten aus Westfalen“ – 2013./ Am 21. Juni 1629 wurde die ostwestfälische Stadt Höxter durch die Kommunion des Corveyer Fürstabtes wieder in den katholischen Glauben zurückerobert. Am Pfingsten 1633 wurden von den Stadtbürgern mit der Unterstützung von den braunschweigischen Truppen alle katholischen Geistlichen mit den Minoriten zusammen aus Höxter vertrieben. Im Herbst 1633 trat das Königreich Schweden, das fast ganz Deutschland eroberte, in die kleine Fürstabtei Corvey ein. Landgrafen von Hessen-Kassel flüchteten nach einem kurzen Kampf aus der Stadt Höxter. Die hier ansässigen hessischen Truppen bestanden aus nur vier Kompanien. Mit Hilfe der hessischen Soldaten verbesserte teilweise die Gemeinheit die Stadtbefestigung, die sich in dieser Zeit in einem schlechten Zustand befand. Als hessischer Kanzler war Heinrich Heister – man und als Schultheiß Valentin Magirus ernannt und vereidigt. Kurz danach setzte der hessische Landgraf in der Stadt Höxter einen Kommandanten ein, der über die hessischen Militäreinheiten Befehlrecht hatte. Ein halbes Jahr später, im April 1634, erschienen in der Nähe von Höxter Truppen des Deutschen Kaisers, die unter Kommando des Feldherrn Gottfried Huyn, Herr zu Geleen, standen. Es war eine große Armee aus 1000 Reitern und 3000 Fußsoldaten, die alle mit modernen Waffen und Kanonen ausgerüstet war. Der Feldmarschall von Gellen ließ in der Nähe der Stadt Höxter ein großes militärisches Lager aufstellen: ,,Östlich und westlich der Stadt, am Wege nach Corvey und unter dem Bielenberg, schlug er sein Lager auf. / Wolfgang Leesch ,,Das Blutbad zu Höxter am 20. April 1634“. In Kreis Höxter Jahrbuch 1982. – Seite 197./
In der Nähe von Höxter standen auch noch Militärtruppen des braunschweigischen Herzogs und des schwedischen Königs. Die Höxteraner waren sicher, dass sie ihnen helfen, werden im Kampf gegen die kaiserliche Armee. Die höxtersche Gemeinheit hatte noch in der Erinnerung den religiösen Druck des kölnischen Fürstbischofs, deswegen wurde die freiwillige Aufgabe der Stadt Höxter und die Übergabe des Stadtschlüssels (Übergabe der Stadt) an den kaiserlichen Feldmarschall von Gellen abgelehnt. Die allgemeine Stadtgemeinheit entscheidet sich zusammen mit den vier hessischen Kompanien, die Heimatstadt mit allen Kräften gegen die Angreifer zu verteidigen. Höxteraner wagten in der Nacht auf den 20. April 1634 einen bewaffneten Ausfall nach Bielenberg, wo sie einen Posten der Katholischen Liga angegriffen hatten und die Soldaten getötet wurden. Der Feldherr befahl, Höxter um jeden Preis zu erobern und aus Rache die Stadt vollständig zu zerstören, alle männlichen Bürger zu töten und die Frauen sollten gedemütigt werden. Sechs Uhr morgens am 20. April 1634 wurde Höxter von den Truppen des Feldmarschalls Gottfried Huyn zu Geleen angegriffen. „Setzte der wütende General zum Sturm von Westen an und gab die Stadt seinen Soldaten zu Mord und Plünderung preis.“ /Wolfgang Leesch ,,Das Blutbad zu Höxter am 20. April 1634.“ In Kreis Höxter Jahrbuch 1982; Seite 197./
Höxteraner, die den Ausfall nach Bielenberg machten, schafften es leider nicht, zurück in die Stadt zu kommen, als sie überrascht, wurden von dem feindlichen Angriff. Zuerst wurde die ostwestfälische Stadt Höxter von allen Kanonen des kaiserlichen General-Feldmarschalls lange Zeit beschossen, danach fängt der brutale Sturm an. Die feindlichen Soldaten, die von den Offizieren angeführt wurden, waren in der großen Überzahl, und das war für sie kein Problem, die Gegenwehr der Verteidiger zu brechen und in die Stadt einzudringen. Verteidiger hatten schlechtere Kanonen und Gewehre (hauptsächlich waren es bei den Höxteranern, die alten Gewehre). Die Kanonen und Feuergranaten, die von den hessischen Soldaten gebracht wurden, hatten sehr wenig Wirkung, um den Feind aufzuhalten. Der erste Angriff wurde überraschend für den Feldmarschall erfolgreich abgewehrt. Sofort folgte der zweite Angriff der kaiserlichen Armee. Die kaiserlichen Soldaten setzten die Stadt in Brand, plünderten und zerstörten reiche Bürgerhäuser und Adelshöfe, mordeten Bürger (auch Kinder und Frauen). In einer kurzen Zeit erreichten die Angreifer das historische Minoritenkloster (heute ist es die Evangelische Marienkirche in der Brüderstraße), wo sich der Corveyer Fürstabt Johann Christoph von Brambach, der vor kurzem aus dem Exil zurückkam, mit seinen Geistlichen aufhielt. Höxteraner hofften, dass der Landesherr sie beschützen und retten kann. Es war der Grund, warum zu dem Kloster viele Einwohner geflüchtet sind.
Auch der Corveyer Fürstabt und die begleiteten Mönche waren nicht sicher gegen Gewalt und Missbrauch von der Seite des Angreifers (kaiserliche Armee). Selbst die ligistischen (die zur Katholischen Liga zugehörten) Offiziere hatten es schwierig, die wütenden Soldaten von der Gewalt und Ausraubung des Stadtherren und seines Gefolges abzuhalten. Es kam in der kurzen Zeit dazu, dass nur mit reichlichen Schenkungen der Corveyer Abt den massiven Klostermönchsmord verhindert hat. Schon vor der Stadteroberung durch den General zu Geleen wurde das Kloster Corvey von den kaiserlichen Soldaten geplündert, ausgeraubt und teilweise durch das gelegte Feuer zerstört. Fast alle Klosterschätze wurden von den brutalen Angreifern geraubt, mitgeschleppt. Die heiligen Vitus-Reliquien wurden aus der Klosterkirche gestohlen. Das Corveyer historische Urkundenarchiv wurde von den kaiserlichen Soldaten ahnungslos auseinandergerissen, beschädigt und ins Feuer gelegt. So wurden die seltenen Urkunden und Schriftstücke für uns spurlos verschwunden. Die feindlichen Reiter folgten dem Befehl des Generalfeldmarschalls und stiegen von den Pferden und kämpften weiter als Fußvolk. Alle höxtersche Bürger, die zum Minoritenkloster flüchten, wurden nicht nur von den Fußsoldaten verfolgt, sie wurden in großen Mengen einfach auf den Straßen ermordet. Alle Stadtbürger kämpften vergeblich um jedes Haus mit dem zahlenmäßig überlegenen Feind. Die kaiserlichen Truppen behandelten alle überlebenden Höxter Stadtbürger grausam und unmenschlich. Nicht nur die männlichen Erwachsenen, sondern auch die Kinder und die Älteren erlebten Grausamkeit und Missbrauch. Auf den Straßen sangen alle Höxteraner ein Spottlied über den Papst und Katholiken. Deswegen wurden die Angreifer noch mehr wütend und aggressiv. Es folgte ein blutiger Völkermord, der nicht von dem Feldmarschall gestoppt wurde: Menschen wurden in der Weser ertrunken, missbraucht, ermordet und Frauen vergewaltigt.
Stadt Höxter wurde im größten Teil niedergebrannt, geplündert und verwüstet. Die meisten Leichen von Stadtbürgern wurden von den Soldaten auf der Stelle mit Pulver bestreut und zu Asche verbrannt und überall zerstreut. Die überlebenden Bürger, die sich im Minoritenkloster (heute ist es die St. Marienstiftung mit Marienkirche) versteckten, wurden auch nicht verschont. Mit einem hohen Lösegeld hatten viele Höxteraner für sich das Leben gekauft. Viele evangelische Geistliche wurden von den kaiserlichen katholischen Soldaten ermordet. Auf Befehl des Generalfeldmarschalls zu Geleen wurden Stadttore niedergebrannt, Wälle und die Stadtmauer zerstört und unbenutzt gemacht. Stadtkirchen und Kirchschulen wurden geplündert und verwüstet. Die in der Frühen Neuzeit neu erbaute Weserbrücke wurde durch das gelegte Feuer bis zu den Steinpfeilen verbrannt. Es dauerte lange Zeit, bis sie wiederhergestellt wurde. Kaiserliche Soldaten und Offiziere kontrollierten streng, dass die verbliebenen Höxteraner Stadtbürger alle Leichen, die auf den Straßen lagen, auf die Wagen legten und einfach in die Weser hineinwarfen. Mehrere Tage danach schwammen in der Weser die Leichen herum.
Wie die spätere Aufzeichnung des Petristifts überliefert: wurden über 300 Soldaten und über 1300 Stadtbürger und Einwohner an diesem Tag des ,,Blutbades zu Höxter“ ums Leben gekommen. Nachdem die ostwestfälische Stadt Höxter geplündert und zerstört worden war, zogen die kaiserlichen Truppen nach Münster weiter. Drei Tage lang plünderten und zerstörten die kaiserlichen Truppen die Stadt Höxter, das Kloster Corvey und Umgebung, danach marschierten sie weiter nach Münster. Paar Wochen später, am 8. Mai 1634, schickte der General-Feldmarschall zu Geleen an die Stadt ein Schreiben, einen genannten Schutzbrief ,,der sie vor allen Ausplünderungen, Beraubungen, Brandschatzungen und eigentätlichen Einquartierungen bewahren sollte“. / Wolfgang Leesch ,,Das Blutbad zu Höxter am 20. April 1634“. Im Kreis Höxter Jahrbuch 1982; Seite 199./ Schon im Mai, dem Monat des gleichen Jahres, erscheinen in Höxter erneut kleine hessische Militärtruppen und stellen hier wieder die alte hessische Städteordnung her. Der damals amtierende Corveyer Kanzler Casper Schoff wurde in die Gefangenschaft genommen und nach Kassel gebracht. Nach diesen tragischen Ereignissen zog der Landesherr Fürstabt Johann Christoph von Brambach in das erneute Exil nach Münster. Geschichtsschreiber Hillebrand schreibt über das ,,Blutbad von Höxter“ im Jahre 1634: ,,Donnerstag nach Ostern den 20. April 1634, haben die Kaiserlichen unter dem General von Gleen die Stadt Huxar Um 7 Uhr morgens mit stürmender Hand erobert, die Bürger, weil sie sich mit den Hessen, den Kayserlichen, widersetzet, sind alle niederge – macht, wenig ausgenommen. Und sollen damals bei den Elfhundertern in Hoxar gewesen sein“. Höxtersches Jahrbuch. Band 5, – 1963; S. 151/Nach diesem Massaker erholte sich die Stadt Höxter erst zu Ende des 18. Jahrhunderts. Der Bauzustand des Höxters war nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) im miserablen Zustand.




